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über unsere Gesellschaft

May 30, 2011
by Tania
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Die Schweiz, ein einzig Volk von … Randgruppen!

Es wäre interessant eine Studie zu haben, die über die letzten Jahrzehnte verfolgt hat, wie unsere Gesellschaft mit Menschen umgeht, die nicht in ihr „Raster“ passen – und was die Kriterien sind, die dieses „Raster“ ausmachen. Es scheint mir, dass wir immer mehr „Feindbilder“ oder sogenannte „Sündenböcke“ haben, die für all unsere Probleme als „wahre Schuldige“ herhalten müssen – um uns von unseren eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten abzulenken.

Ein paar Beispiele, um meine Theorie zu untermauern (die Liste kann beliebig fortgesetzt werden):

– Bist du übergewichtig, hast du dich nicht im Griff, bist undiszipliniert, ungepflegt, faul, ein/e Versager/in und an den steigenden Krankheitskosten schuld. Isst du mal in der Öffentlichkeit im Sommer ein Eis, wirst du von allen Seiten verächtlich angeschaut, wobei schlanke Menschen unbehelligt ihren kulinarischen Gelüsten fröhnen können.

– Bist du aus Altersgründen nicht mehr berufstätig und kannst demzufolge im Sinne unserer Gesellschaft nicht mehr „leisten“ bist du nichts mehr wert. Und falls du noch eine Operation brauchen solltest, kannst du nur hoffen, dass der Krankenkasse dein Leben genug Wert ist, um auch im höheren Alter die nötige medizinische Versorgung zu erhalten.

– Hast du nach der Lehre keine Stelle gefunden, hast du Pech, da du schnell ausgesteuert wirst und kaum mehr eine Chance hast, wieder ins Berufsleben einzusteigen – da heute vor allem Stellen ausgeschrieben sind, wo man bereits Berufserfahrung mitbringen sollte. Für deine missliche Lage kannst du übrigens den netten Parteien und Vertretern danken, die damals für die Revision des Arbeitslosengesetzes im September 2010 gestimmt haben, dies waren: Bundesrat, Parlament, BDP, CVP, FDP, Grünliberale, SVP. Diese verheerende Entscheidung hat deine Situation erheblich verschlechtert. Nur EVP, Grüne und die SP haben damals dagegen gestimmt und sich solidarisch mit den schwächsten Gliedern unserer Gesellschaft gezeigt.

– Hast du eine Einschränkung aufgrund einer Krankheit, bist du auch eine Kostenbürde und vermutlich sowieso selber an deiner Erkrankung schuld (schlechter Lebenswandel etc.).

– Bist du arbeitslos, hast du dir wohl einfach zu wenig Mühe gegeben (schliesslich – das sagen ja die bürgerlichen Parteien: „Wer will, der kann“).

– Und last but not least: Wenn du Ausländer/in bist, ist eigentlich egal was du machst – arbeitest du, nimmst du uns die Jobs weg, arbeitest du nicht, liegst du uns auf der Tasche….und in beiden Fällen bist hauptsächlich du am Klimawandel, unseren Energie- und Mobilitätsproblemen schuld….

Summieren wir diese Gruppe von „unerwünschten Personen“ – auf wieviel würden wir dann kommen? Das ist doch eine zu hohe Zahl von Sündenböcken, die an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden. Wir können nicht immer mehr Personen aus dem gesellschaftlichen Leben ausschliessen. Wenn das so weitergeht, haben wir bald mehr „Randgruppen“ als Personen, die aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben teilhaben können.

Wollen wir das? Lasst uns diese prekäre Entwicklung stoppen!
Wie können wir das erreichen?

Meine Ideen:

Sensibilisierungskampagnen zu diesem Thema die aufzeigen sollen, dass es jeden treffen kann (Arbeitslosigkeit, Krankheit etc.) und man schon bald selber zu den „Randständigen“ gehören könnte, wenn diese „Mentalität der Verurteilens“ so weiter geht.

Und – politisch wohl nicht umsetzbar – wäre ein Sinneswandel jedes Einzelnen und dann der ganzen Gesellschaft hinzu einer Wertehaltung, die geprägt ist von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt, Voraussetzung für eine wirklich gesunde Schweiz. Dazu ein vernünftiges Mass an „vor der eigenen Haustüre wischen“ und nicht alle Schuld immer bei den anderen suchen.

Was sind deine Ideen?

May 14, 2011
by Tania
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Der Mythos des unbegrenzten Wachstums

Grad kürzlich bin ich wieder über das sehr treffende Zitat von Kenneth E. Boulding (1910-1993) gestolpert: „Wer in einer begrenzten Welt an unbegrenztes exponentielles Wachstum glaubt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.

Alle schreien nach Wachstum. Bei jeder Bewertung von Unternehmen wird das (Umsatz-/Gewinn-) Wachstum als zentraler Faktor hervorgehoben. Sobald ein Unternehmen die Erwartungen der Anleger (bzw. die Prognosen der sogenannten „Analysten“) nicht erfüllt, sinkt der Aktienkurs – und dies obwohl teilweise hohe Wachstumsraten und Gewinne verzeichnet wurden. Wohin soll das führen?

Auch beim Bewerten des Zustandes der Schweiz wird das Wachstum (BNE = Bruttonationaleinkommen, früher BSP) fast als einzig relevanter Faktor hervorgehoben. Als ob ein ständiges (Wohlstands-)Wachstum das einzig erstrebenswerte Ziel und der Gradmesser für den Zustand unserer Gesellschaft sei. Es scheint mir, dass man vergessen hat, dass all unsere Ressourcen endlich sind. Wir haben nur beschränkten Platz zur Verfügung, um zu Wohnen, Lebensmittel anzubauen und Produkte herzustellen. Auch sind andere Ressourcen wie Wasser endlich, die lebenswichtig für uns Menschen, Tiere und Pflanzen sind. Ein immerwährendes Wachstum ist weder realistisch noch nachhaltig. Aber weshalb wird unaufhörliches Wachstum als so erstrebenswert angesehen?

Gäbe es nicht andere Kenngrössen, die wichtigere Aussagen über den „echten“ Zusand unserer Gesellschaft machen? Ist es nicht wichtiger, wie ein Land / eine Gesellschaft mit den Schwächsten Gliedern umgeht? Ich denke da an Menschen mit Leistungseinschränkungen, sei es wegen psychischer Probleme oder körperlichen Benachteiligungen. Oder Menschen, die an schweren Krankheiten leiden oder „alte“ Menschen, die nicht mehr arbeiten können.

In einer Gesellschaft, wo auch Leistung als eines der wichtigsten Maxime angeschaut wird – was löst das in diesen Menschen aus? Mit unserer Mentalität „Leistung muss sich lohnen“ grenzen wir immer mehr Menschen aus und erhöhen den Druck auf die (noch) gesunden Menschen. Psychische Probleme wie „Burn out“ nehmen zu, gleichzeitig wird dieses Thema immer mehr tabuisiert, betroffene Menschen schnell als „Schwächlinge“ oder ähnliches abgestempelt und trotzdem immer mehr Leistung gefordert und der Druck erhöht. Paradox, nicht?