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über unsere Gesellschaft

Der Mythos des unbegrenzten Wachstums

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Grad kürzlich bin ich wieder über das sehr treffende Zitat von Kenneth E. Boulding (1910-1993) gestolpert: „Wer in einer begrenzten Welt an unbegrenztes exponentielles Wachstum glaubt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.

Alle schreien nach Wachstum. Bei jeder Bewertung von Unternehmen wird das (Umsatz-/Gewinn-) Wachstum als zentraler Faktor hervorgehoben. Sobald ein Unternehmen die Erwartungen der Anleger (bzw. die Prognosen der sogenannten „Analysten“) nicht erfüllt, sinkt der Aktienkurs – und dies obwohl teilweise hohe Wachstumsraten und Gewinne verzeichnet wurden. Wohin soll das führen?

Auch beim Bewerten des Zustandes der Schweiz wird das Wachstum (BNE = Bruttonationaleinkommen, früher BSP) fast als einzig relevanter Faktor hervorgehoben. Als ob ein ständiges (Wohlstands-)Wachstum das einzig erstrebenswerte Ziel und der Gradmesser für den Zustand unserer Gesellschaft sei. Es scheint mir, dass man vergessen hat, dass all unsere Ressourcen endlich sind. Wir haben nur beschränkten Platz zur Verfügung, um zu Wohnen, Lebensmittel anzubauen und Produkte herzustellen. Auch sind andere Ressourcen wie Wasser endlich, die lebenswichtig für uns Menschen, Tiere und Pflanzen sind. Ein immerwährendes Wachstum ist weder realistisch noch nachhaltig. Aber weshalb wird unaufhörliches Wachstum als so erstrebenswert angesehen?

Gäbe es nicht andere Kenngrössen, die wichtigere Aussagen über den „echten“ Zusand unserer Gesellschaft machen? Ist es nicht wichtiger, wie ein Land / eine Gesellschaft mit den Schwächsten Gliedern umgeht? Ich denke da an Menschen mit Leistungseinschränkungen, sei es wegen psychischer Probleme oder körperlichen Benachteiligungen. Oder Menschen, die an schweren Krankheiten leiden oder „alte“ Menschen, die nicht mehr arbeiten können.

In einer Gesellschaft, wo auch Leistung als eines der wichtigsten Maxime angeschaut wird – was löst das in diesen Menschen aus? Mit unserer Mentalität „Leistung muss sich lohnen“ grenzen wir immer mehr Menschen aus und erhöhen den Druck auf die (noch) gesunden Menschen. Psychische Probleme wie „Burn out“ nehmen zu, gleichzeitig wird dieses Thema immer mehr tabuisiert, betroffene Menschen schnell als „Schwächlinge“ oder ähnliches abgestempelt und trotzdem immer mehr Leistung gefordert und der Druck erhöht. Paradox, nicht?

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